Willis Abenteuer in China

Im September 2018 ist unser Kollege Willi, damals Anwendungsingenieur am DELO-Hauptsitz in Windach, als „Expat“ nach Shanghai aufgebrochen, um dort das Global Engineering mit aufzubauen. Nach Auslandsaufenthalten in den USA, Rom und Indonesien hat es ihn gereizt, nochmal eine neue Kultur kennenzulernen. Zwei Jahre sollten es ursprünglich werden – heute lebt er noch immer in der größten Stadt Chinas. Auf unserem Blog berichtet er von einigen Unterschieden zu seinem Leben in Deutschland und warum es ihm dort so gut gefällt.

Chinese New Year: Während in Deutschland die meisten Familien die Weihnachtszeit gemeinsam feiern, ist für die Chinesen das chinesische Neujahrsfest der wichtigste Feiertag des Jahres. Normalerweise reist dann wirklich jeder(!) in seine Heimat und besucht seine Familie. Dieses Jahr hat aufgrund von Corona das erste Mal ein Großteil der Chinesen das Fest getrennt von der Familie verbracht. Was jedoch auch vor der Pandemie so war: Shanghai ist zu dieser Zeit wie ausgestorben. Es fehlen eigentlich nur die runden Sträucher aus den US-Western, die durch die Straßen wehen. Alles ist schön in Rot dekoriert, mit Lampions und Bildern des Tierkreiszeichens des neuen Jahrs. Am Neujahrstag stehen alle Haustüren offen, damit das Glück hinein kann (auch wenn es nur 5 Grad hat). Wir haben beschlossen, das Glück auszusperren und lieber mit unserer Klimaanlage zu heizen.

Essen: Es schmeckt einfach! Grundsätzlich gibt es alles wie bei uns. Nur ist Fleisch hier eher eine Beilage und nicht wie in Deutschland der Mittelpunkt, zudem es irgendeine Beilage gibt. Man isst allgemein viel abwechslungsreicher. Und um ein für alle Mal damit aufzuräumen: Ja, man kann auch Kuhmagen, Zunge und Innereien essen. Allerdings gibt es das auch nicht öfter als in Deutschland. An was ich mich bisher noch nicht getraut habe, sind Hühnerfüße. Dafür habe ich mich inzwischen an das Essen ohne Messer und Gabel gewöhnt – sogar bei Suppe. Erst isst man die Nudeln mit Stäbchen, dann trinkt man die Brühe. Das hat beim Besuch deutscher Kollegen schon zu der ein oder anderen lustigen Situation geführt. Und wenn alle Stricke reißen: In Shanghai gibt es auch sehr gute italienische Pizza, Burger ohne Ende und deutsche Restaurants. Sogar Weißwürste findet man hier überall. Frustrierend ist da nur, dass es der Lieblingssenf noch nicht in die asiatischen Supermärkte geschafft hat…

Wohnen: In Shanghai kann man wählen zwischen anonymen Hochhäusern oder „Lane houses“ (Anm.: eine Art „chinesische Reihenhäuser“) – die wollte ich mal ausprobieren, da es sie in Deutschland nicht gibt. Obwohl meine Wohngegend mitten im Zentrum liegt, ist es sehr ruhig und es fühlt sich mehr nach Dorf an als in meiner Heimat am Ammersee.

Technik: Für meine Wohnung habe ich mir einen Luftreiniger gekauft. Infos zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und -qualität kommen aufs Handy. Natürlich brauche ich auch Internet. Der Techniker, der die Leitung verlegt hat, hat kurzerhand ein Loch in die Wand geschlagen und das Kabel übers Dach gelegt. Bei Regen habe ich kein Netz. Ansonsten surfe ich dafür nicht wie in Deutschland mit 50 MBit, sondern mit 1000. Oben drauf gibt es noch drei Handynummern mit 10 GB pro Monat und 1000 Freiminuten, alles zusammen für 16 Euro im Monat. Im ersten Monat bekomme ich sogar noch einen Rabatt – einfach nur deshalb, weil nicht unmittelbar nach der Internet-Beantragung im Shop ein Servicetechniker Zeit für mich hatte und ich ausnahmsweise einen Tag warten musste.

Bezahlen: Auch sonst ist die Digitalisierung hier viel stärker im Alltag angekommen als in Deutschland. Beim Einkaufen zahle ich mit meinem Handy – Bargeld wird überhaupt nicht angenommen. Auf Zugreisen gibt es QR-Codes auf der Lehne. Mit diesen kann man sich Getränke und Essen (z.B. Popcorn) an den Platz liefern lassen. Sogar Bettler sammeln mit einem QR-Code!  

Arbeiten: In China nimmt die Arbeit einen größeren Stellenwert ein und Berufliches und Privates verschwimmt stärker. Man kennt die familiären Umstände seiner Kollegen genau, geht zusammen zum Sport und trifft sich auch am Wochenende zum Essen. In China ist außerdem auch die Gleichstellung zwischen Mann und Frau in der Arbeitswelt so weit fortgeschritten wie sonst nahezu in keinem Land.

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